Jonathan Meese Kritik, Satire, Kunst, Hausarbeit #1 Wintersemester 16/17

Standard

 

Jonathan Meese Kritik, Satire, Kunst

kritische meinung? wie? welche formen? Kritik? Staat?

Marcel Richter                                                  Hausarbeit Kulturpolitik                                                     13.03.2017                                         KMP WS 16

 

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Medienperformance Meese und §86a StGB. – 2 –
  2. Jonathan Meese – „Kunst kann selbst!“ – 4 –
  3. Die „Diktatur der Kunst“ – 5 –
  4. Performance-Kunst als Realsatire. – 6 –
  5. Kunst, Satire und Grenzen?. – 7 –

1.  Medienperformance Meese und §86a StGB

Im Juni 2012 zeigte der Künstler Jonathan Meese im Verlaufe eines Interviews, auf der Documenta, mehrfach den Hitlergruß, zu dem erklärte Meese das eine Demokratie keine Demokratie sein könne, wenn ein „Anführer“ gewählt würde, welcher dann nur die Meinung eines Demokratischen Volkes vertritt, anstelle davon das Volk direkt bestimmen zu lasen.

Eine erneute Debatte zur Künstlerischen Freiheit begann.

Meese musste sich dafür 2014 vor Gericht verantworten, denn in §86aB StGB ist das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Deutschland, wozu auch Parolen und Grußformen gehören, untersagt.

Meese selbst, will sich mit seinem Rechtsbeistand auf die im Grundgesetz garantierte Kunstfreiheit berufen und sagt, dass man strikt zwischen der Bühnenperson Jonathan Meese und der Privatperson Jonathan Meese trennen müsse. Zudem wird Argumentiert, dass das Interview zum Werk gehöre und eigentlich gar kein Interview sei, sondern eine Performance darstellt (Anklage gegen Jonathan Meese, Süddeutsche Zeitung, 14.08.2013).

Die SZ stellte im gleichem Artikel die Frage, ob man überhaupt über Kunstfreiheit diskutieren kann, während zeitgleich der NSU-Prozess läuft und komprimiert die Fragestellung auf „Ist das Kunst oder nicht?“. Bei einem Freispruch, wird Jonathan Meese frei für Kritik, „einer solchen Kritik fällt als erstes auf, dass Meese mogelt, wenn er behauptet, in seiner Performance sei die Geste des Hitlergrußes von Ideologie und Gesinnung abgekoppelt.“, nur weil ein Künstler eine solche Geste Ausführt, ist der Gehalt dieser nicht Gelöscht (ff. SZ. Artikel, 2013).

Jurist und Sammler Harald Falckenberg sagt, dass Meese ein Künstler sei, welcher „die richtigen Fragen stellt“. In einem Interview mit der Welt sagt Falckenberg zudem: „Meese ist Außenseiter, er braucht und will keine Fangemeinde. Sein zentrales Anliegen ist die Auseinandersetzung mit den Kontroll- und Machtmechanismen. Er setzt sich zur Wehr und will kein nützliches, den Normen und Funktionen unterworfenes Mitglied der Gesellschaft sein.“ Im Gegensatz dazu kann man meinen, dass jedes Interview vor Publikum, für Meese einer Performance auf einer Theaterbühne gleicht, er ist also in gewisser Art und Weise, stark von seiner nicht vorhandenen Fangemeinde abhängig. So stark, dass man ihm seine Passion für die Vorführung des Hitlergrußes, als absolute Provoktion, regelrecht ansehen kann.

Der von Elise Bisanz als Künstler des „neurotischen Realismus“ klassifizierte Jonathan Meese selbst sagt: „Der Hitlergruß ist ein Symbol, das neutralisiert werden muss, man entdämonisiert ein Zeichen für die Zukunft“ Der Artikel der SZ merkt an, dass diese Information von der Privatperson Jonathan Meese stamme.

Wer ist nun die Kunst- und wer die Privatperson Meese, kann man dies überhaupt Trennen und wenn ja ab wann? Auf diese Fragestellung werde ich später näher eingehen. Der gegenüber Meeses Kunst Subjektiv geprägte SZ Artikel beantwortet diese Frage nicht, er spricht sich lediglich für die Kunstfreiheit und ein gegen die Qualität von Meeses Kunst aus und führt an, dass Meese nicht mit einem Neonazi verglichen werden kann, weil Meese eher Harmlos wirkt und sich an alt bewährten provokativen Mitteln der Kunst bedient.

 

Es wird auch nicht erwähnt, dass das Interview auf der Documenta im Rahmen der Veranstaltung „Größenwahn der Kunstwelt“ ausgerichtet wurde, welche meines er achtens nach eher einen Satirischen Charakter aufwirft. Diese Information wurde in einem Artikel der Welt direkt in den ersten Absätzen angeführt.

Marc Reichwein veröffentlichte diesen Artikel am 20.07.2013 unter dem Namen „Er will doch nur die Diktatur der Kunst.“ auf der Homepage der N24 Media GmbH. Bis 2010 war N24 Teil der ProSiebenSat. 1 Media AG, ab Juni 2010 selbstständig als N24 Media GmbH. Der Artikel stammt noch aus der Zeit bevor im Dezember 2013, N24 vom Axel Springer SE aufgekauft, und unter dem Namen WeltN24 GmbH, weitergeführt wurde. Weshalb ich diesen ebenfalls nutzen möchte, um die Debatte um den Prozess von Jonathan Meese anzuführen.

Der Artikel wirft die Frage auf, ob „sein Hitlergruß als Teil der Performance gelten würde“, dann könne er im Sinne der Kunstfreiheit freigesprochen werden. Anderenfalls würden ihm bis zu 3 Jahren Haftstrafe drohen.

Der Hitlergruß wurde in der Kunst schon in der Vergangenheit verwendet, beispielsweise in einer Fotoserie von Anselm Kiefer, in welcher er vor verschiedenen Kulissen, in NS Uniform den Hitlergruß usführte, oder von Charlie Chaplin in „der Große Diktator“. Meese wird jedoch auch durch Äußerungen wie „seit 1945 ist doch nichts Gutes passiert. Alles verwässert. Alles weichgespühlt.“ von der Staatsanwaltschaft unter Druck gesetzt. Meese selbst aüßert sich: „Ich mach doch was Absurdes. Meine Diktatur der Kunst ist doch keine Realpolitische Alternative. Ich kann auch ganz normal reden“. So ist die „Diktatur der Kunst“ wohl eher Gleich einer Utopie, hierzu später mehr.

Das Interview wurde vom SPIEGEL Magazin geführt, beide Interviewerinnen, Frau Knöfel und Frau Wellershoff, entlasteten Meese vor Gericht und deckten wiederrechtliche Passagen als Teil einer Performance, im Sinne von Meeses Kunst, unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit. Während das Interview im Gerich,t in voller Länge wiedergegeben wurde, musste sogar die Richterin schmunzeln, Meese blieb verhalten. Zwei externe Gutachten bzw. Kommentare zu Meeses Kunst wurden vom Gericht abgelehnt.  (frei nach „Er will doch nur die Diktatur der Kunst“, Marc Reichwein, 20.07.2013, WELT)

Die Richterin sprach Meese letzt endlich im Namen der AG Kassel frei, da es sich nicht um ein Interview, sondern um ein Kunstgespräch bzw eine Performance handelte.

Später wurde Meese auch wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) angeklagt, jedoch wiederholt im Sinne der Kunstfreiheit freigesprochen.

Im großem und Ganzen sorgte der Prozess für eine starke Mediale Präsenz so wie eine große Kontroverse um Jonathan Meese, Amerikaner fragten scherzhaft nach, ob Meeses Künstlerindex jetzt gestiegen sei. (Künstlerindex: gibt den etwaigen Geldwert einer Arbeit an.)

Die Realperson Jonathan Meese, wurde 1970 in Tokio geboren. Wuchs aber mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter Brigitte Renate Meese in Stuttgart auf. Sein Vater Reginald Selby Meese, der aus Newport (Wales) stammte, lebte und verstarb 1988 in Japan. Nach seinem Abiturabschluss 1989 reiste er für einen Sprachaufenthalt nach Schottland und wurde dann nach von seiner Mutter für ein Studium  für Volkswirtschaft angemeldet.

2. Jonathan Meese – „Kunst kann selbst!“

Nach dem er das Studium für Volkswirtschaft abbrach, fing er 1995 mit dem Kunst Studium an der HBK (Hochschule für Bildende Künste Hamburg) an. Unter seinem Tutor Franz Erhard Walther, brach er das Studium jedoch 1998 ohne Abschluss ab. Während dessen traf er jedoch beispielsweise auf den Maler Daniel Richter. Dieser empfahl ihn an die Galleristen Nicole Hackert und Bruno Brunnet weiter, worauf hin Meese unter Vertrag genommen wurde. Er wurde darauf hin in der Berliner Galerie „Contemporary Fine Arts“ vertreten.

Ab 1997 machte Meese mit Aktionskunst, Performances, Installation, Skulpturen, Videokunst, Musik, Fotocollagen und Malerei immer mehr  auf sich aufmerksam. So ist er mit der Installation „Ahoi der Angst“ auf der Biennale vertreten gewesen, welche Marquis de Sade gewidmet war. Er selbst sagt, dass alles reiner Zufall gewesen sei, und er tatsächlich nur durch Zufall, Künstler geworden ist. Von nun an ist ihm die Anerkennung eines internationalen Künstlers gewidmet. Das Ausland kommentierte sein Schaffen als Künstler und „Kunstperson“ fortwährend, worauf hin er in der Schweiz, London so wie auch in Frankreich seine Werke ausstellte. 2006 zählte ihn das Magazin „Capital“ erstmals zu den 100 bedeutendsten Künstlern weltweit.

„Die Peitsche der Erinnerung“ ist ein größeres Projekt, in welchem Meese mit dem Maler Daniel Richter zusammenarbeitete um mit ihm zusammen geschichtliche Ereignisse zu Dokumentieren. Es sind so für zahlreiche Ausstellungsorte einige Arbeiten entstanden. Dann nach folgte eine Werkschau mit dem Namen „Mama Johnny“, welche er seiner Mutter widmete und auch seine Beziehung so wie Erlebtes mit ihr als Leitthema Künstlerisch dargestellt hatte.

„Erzstaat Atlantis“ war eine umfangreiche Ausstellung, in welcher Meese Werke im Dialog zu Arbeiten von Joseph Beuys ausstellte. Die Arbeiten von Beuys sind bekannt für Überspitzte Bildnisse von Personen, welche in ästhetischer Umsetzung eher die hässlichen Merkmale der Portraitierten Personen in den Vordergrund stellten. Beuys war zu dem eine Person welche sich ebenfalls als Künstler zu inszenieren gewusst hatte, so Trat er vorwiegend in einem „Ganoven-ähnlichem“ Erscheinungsbild auf, trug einen langen legeren Mantel und mittelgroße hüte mit Krempen. Möglicher weise diente Beuys, Meese als Vorbild, denn Meese nutz ebenfalls diese Art von Selbstdarstellung, eine moderne Interpretation der Verkleidung von Beuys. So Tritt Meese als „Kunstfigur“ Gerne mit Sonnenbrille, schwarzer Addidas Jacke und Jogger Hose inTurn Schuhen auf.

Zugehörig zur Ausstellung „Erzstaat Atlantis“ arbeitet er erstmals auch mit der Idee der „Diktatur der Kunst“ zu welchem er sich in den meisten seiner Interviews und Internetauftritte wie z.B. auf http://www.propagandawerk.org und dem gleichnamigen Youtube-Channel äußert.

Weiterhin wird er im Theater aktiv, unter anderem mit dem stück „Generaltanz der Erzschiller, Bühnenbau, kleineren bis größeren Rollen.

Er nutzt fort an scheinbar jede Möglichkeit sich und seine Ansichten in jeglicher Art von Medialer Präsenz zu äußern, dazu zählen Radio, Fernsehen, Internetplatformen wie Youtube und Printmedien.

3. Die „Diktatur der Kunst“

„Bei der «Diktatur der Kunst» geht es um die liebevollste Herrschaft einer Sache, wie Liebe, Demut und Respekt, zusammengefasst und gipfelnd in der Herrschaft der Kunst. In der Allmacht der Kunst geht es nicht um das Machtgehabe des Künstlermenschen oder um die Machtfantasien von Selbstverwirklichern und Realitätsfanatisten, sondern um die antinostalgische, alternativlose Macht der Kunst, also der Sache. Kunst stellt die Machtfrage, nicht der Künstler.“ J. Meese

Meese äußert sich in Verschiedenen Interviews und Youtube vielfach zur „Diktatur der Kunst“. Unter anderem macht er dies im oben genannten Spiegel Interview in Kassel auf der Documenta.

Einige Inhalte seiner nicht realpolitischen Idee der „Diktatur der Kunst“ als Utopie, verliest er in seinem Manifest zu „Diktatur der Kunst“ auszugsweise im Interview. Das komplette Manifest findet man auf http://ingoherrmann.net/wp-content/uploads/2012/06/meese.pdf .

Auszüge von Meeses Idee, der Diktatur der Kunst führe ich eben kurz an. Demokratie wird als Feind der Kunst abgetan, weil Demokratie keine Kunst ermögliche, der Mensch würde sich der Kunst in den Weg stellen.

Kunst ist keine Ideologie. Die Demokratie wird so z.B. als eine anarchistische Ideologie in welcher Geld als Sinnbild für Erfolg und macht gilt. (vgl. „Sie Leben“ John Carpenter, 1988 in welchem Geld die Rolle eines Gottes für die Menschen einnimmt und diese Gehorsam sein sollen, keine eigenen Gedanken denken sollen und ausschließlich Kaufen bzw. Konsumieren sollen). D.h. Konsum in einer Demokratie, gleicht einer Religion und wird so zur Ideologie. Man braucht Geld nicht um zu Leben und zu überleben, so wird auch Jemand der aus Ideologischen Gründen Vegetarier ist und nicht aus eigen Initiative, als Obszön bezeichnet. Meese bezeichnet das hier vorherrschende System als „Weltdiktatur der Demokratie“ in welcher er jedem Menschen die Demokratie als Ideologie eingetrichtert wird, er ist auch der Auffassung, dass wenn ein Oberhaupt oder eine Partei gewählt wird, es sich nicht wirklich um eine Demokratie handeln kann, da das Volk ja dann nur vertreten werden würde.

Alle Systeme die es schon gab, sind Nostalgisch, die Kunst soll an die Macht. Wenn kontinuierlich schon einmal da gewesenes angewandt wird, könne sich nichts entwickeln.

Aktuell sind die Menschen so eingestellt, dass sie Angst vor Kunst haben, so wie auch Angst vor dem Spielen. Man solle der Kunst dienen und diese nicht erzwingen wollen. In der Kunst muss man niemanden Besiegen, da Kunst sonst einer Ideologie gleichen würde. Man soll vor allem auch nicht sich selbst dienen, sondern der Kunst, da das „Ich“ im Hintergrund stehen soll. Meese wiederspricht sich hierbei selbst, denn auf gewisse Weise imitiert er ja Beuyz, den er selbst im Interview, als „Arschloch“ bezeichnet. Als „Diener der Kunst“ soll man Radikal gegen über allem sein, vor allem gegenüber seiner selbst, sagt Meese.

Die Menschen sollen sich dem „Realitäts-Fanatismus“ abwenden, und lieber selber schaffen, anstelle davon die eigene Energie an den falschen Stellen zu verschwenden.

„Kunst ist ein Unendliches Potential“

„Kunst ist keine Religion, aber jede Religion ist Kunst.“ Was im Wiederspruch steht zu „kein Baby betet.“ Möglicher weise, wäre ein durch Religion beeinflusstes Baby, dem zu Folge von der Religion geschaffene Kunst.

Im Großem und Ganzen liegt das Hauptaugenmerk auf dem Wert des Spielens des Menschen. So erkannten beispielsweise schon Freud, Fröbel und Kant den Wert des Spielens worin Spielen als Lernen am Modell definiert wird (Reformpädagogische Ansätze).

So Lernt ein Mensch der Spielt. Ein Mensch ist nur dort ganz Mensch wo er Spielen „darf“ und Spielt nur dort wo er Mensch sein „darf“ (vgl. Schiller).

Mit seine Realsatirischen „Performance“ einlagen, stößt Meese vermeintlich absichtlich, vorsätzlich provokativ, mit dem Staat (in diesem Fall der Exekutive), einem großen Publikum, sowie anderen Künstlern zusammen.

4. Performance-Kunst als Realsatire

Wenn man Satire als Kunstform betrachtet, welche auch in Form einer Performance dargeboten werden kann, möchte ich mich ebenfalls an Auszügen von einem Text von Kurt Tucholsky orientieren.

Der Titel heißt „Was darf die Satire?“, er wurde am 27.01.1919 unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel, im Berliner Tageblatt #36 veröffentlicht.

„Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.“ Meint schon vor fast 100 Jahren das Satire, als eine der Provokantesten Kunstformen, nahezu ständig eine anstößige Wirkung auf das Publikum und betroffene Institutionen und Personen mit sich bringt. Sie wird meist als Angriff gewertet und auch dem entsprechend abgetan, anstelle davon sie zu analysieren und mit ihrer häufig kritischen Haltung um zu gehen.

„[…] Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an. Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird. […] (der Deutsche) verwechselt Dargestellte mit dem Darstellenden.“ Parallelen zu Meeses Satire, sind grade in diesem Abschnitt gut erkennbar. Die meisten Menschen aus meinem Freundeskreiß, welche sich mit Meese befassten oder ihn sogar getroffen haben, stehen beispielsweise seinem sich kontinuierlichem veränderndem Performance-Werk der „Diktatur der Kunst“, eher skeptisch, mit Abneigung, oder gar mit Ekel entgegen. Mit dem Inhalt dieser Idee befassten sich scheinbar nur wenige, da es den meisten zu anstrengend Erscheint, obwohl gleiche Ansichten und Arbeitsweisen vorherrschen. Dann gibt es wiederum andere die mich fragen, ob Meese ein Neonazi sei, da sie eben scheinbar den Dargestellten mit dem Darstellendem verwechseln. Meese sagt selbst: „Heil, Kunst, Heil“, da ist weder ein Hitler, Himmler, Cesar oder irgendeine Persönlichkeit involviert, sondern die „Huldigung“ gegenüber der Kunst als solches, an sich. So also von einem Fanatismus gegenüber der Kunst als das was sie ist, anstelle eines fanatischen Personenkultes, die Rede.

„[…] die Berechtigung eines ehrlichen Mannes, die Zeit zu peitschen, darf nicht mit dicken Worten zunichte gemacht werden.“ So sagt Meese beispielsweise im Spiegelinterview das es in dieser Demokratie, „eben auch Lager gibt“, welche im Namen der Demokratie ganz Legitimiert geführt werden dürfen. So wurden Beispielsweise in Guantanamo auch unschuldige Menschen mit Methoden wie Waterboarding gefoltert, um eben diese Demokratie vor möglichem Terrorismus zu schützen. Trump befürwortet aktuell die Waterboarding Foltermethode, während ein Demokratisches Volk, welches ihn gewählt hat, ihm dabei zu jubelt. (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=xQHhZ_eqWOg).

 

„Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht.“ Satire verfehlt ihre Wirkung, wenn sie nicht Überspitzt währe. Meese arbeitet mit einer Rhetorik, in welcher er Beispielsweise die „Diktatur der Kunst“ in einem Satz mit „Hitler war…“ unterbringt, was Bewirkt das der Zuhörer möglicherweise im Affekt, zwei verschiedene Aussagen zu einer Zusammen fasst und voreilig Urteilt.

„Boshaft kann [sie] sein, aber Ehrlich soll [sie] sein […] Was darf die Satire? Alles.“ Ehrliche aussagen stecken auch zwischen Meeses merkwürdigen vergleichen, wenn er z.B. sagt das „Scarlet Johansen Kunst ist“ sagt er zwischendurch jedoch auch das die „Diktatur der Kunst“ keine realpolitische Möglichkeit sei, aber Merkel doch für diese Abdanken solle, damit er die Führung als „ausführende Funktion“ übernehmen könne.

5. Kunst, Satire und Grenzen?

Anhand des Beispiels Jonathan Meese sieht man, dass es schwierig ist, eine Privat- von einer Kunstperson zu Trennen. Dies kann zum vor oder Nachteil der Kunst oder aber des ausführenden Privat Menschen ausfallen.

Jonathan Meese arbeitet gerne mit Stilmitteln, welche auf viele Zuschauer für Empörung sorgen. Wie man seinen eigenen Worten entnehmen kann, kann Meese aber auch „ganz normal sprechen“. Seiner, und der Aussage seiner Anwälte, kann man entnehmen, das ein Künstler eben auch eine Privatperson ist. Meese sieht jeden Auftritt im öffentlichem Raum als Performance, er sagt, dass „die Bühne ein rechtsfreier Raum ist“, da es sich ja um eine Performance handelt. Wenn dann also, wie gegen Ende des Spiegel Interviews ein Zuschauer auf die Bühne kommt und ein Glas vom Tisch schmeißt, wird dieser Rechtsfreie Raum verletzt, weil Meese dann als Realperson handeln muss und dadurch rechtlich Angreifbar wird.

Meese konnte jedoch mehrfach das Gericht davon überzeugen, dass es sich um Kunst handelt, weshalb er erfolgreich auf das Recht der Künstlerischen Freiheit plädierte. Tucholsky sagt, dass Satire „Alles darf“, wie in allen anderen Künsten, bietet Kunst die Möglichkeit eines „Rechtfreien Raumes“ in dem Man sich in jede Richtung bewegen darf und soll. Wenn beispielsweise Meese sagt, dass er den Hitlergruß „entdämonisieren“ möchte, indem er ihn nutzt, um sich der Kunst zu unterwerfen und dafür sorgen zu wollen, dass Nachfolgegenerationen nicht mehr sofort die NS-Zeit damit verbinden, wäre das einerseits wenig authentisch, da der Geschichtliche Hintergrund nun mal Faktisch nicht wiederlegbar ist. Auf der anderen Seite ist die damit einhergehende Provokation, ein gutes Mittel um auf die RadikalenMmöglichkeiten durch Kunst aufmerksam zu machen.

Durch diese Möglichkeiten, kann man auch im Arabischem Raum seine Meinung äußern, so z.B. um gegen das Assad Regime wiederstand leisten zu können. Kunst soll wieder die „rolle des Lehrers“ einnehmen (vgl. Sokrates). Kunst kann Aufklären, aber auch irritieren oder gar Anstoßen. Man trägt als Kunst schaffender eine Verantwortung, da man wenn man ein größeres Publikum anzieht, dieses auch beeinflussen kann. So z.B. Meeses hoch angepriesene Propaganda, deren Nachteil ist, dass man diese eben auch für Negative Zwecke nutzen kann.

Heute wird Propaganda als Populismus bezeichnet, ein Beispiel dafür ist aktuell auch die Türkei, die Radikalen Kurden und alle Flüchtlinge welche sich im Kriegsgebiet befinden, werden Pauschal als Terroristen abgestempelt. Propaganda bzw. Populismus ist dem zu Folge die Kunst der Manipulation eines möglichst großen Publikums.

In der Kunst Szene, in welcher ich mich lange Zeit in Leipzig bewegt habe, Zählt es, sich verkaufen zu können, um etwas verkaufen zu können. Eine Art Wiederspruch des Künstler „Ich“ zu dem was die meisten Künstler, als ihr Werk verkaufen, das Werk des freien Schaffens, wenn man verkaufen muss, ist man nicht frei. Wenn man also gut Propagiert, dass man der beste Künstler ist, und Schauspieler dafür bezahlen kann dies zu unterstützen, dann wird man der Beste Künstler. Vergleichsweise kann man mit einer guten Wahlkampagne auch ein Guter Kandidat für das Amt des Präsidenten werden. Mir stellt sich dann die Frage, ob Politik Realsatire ist. Wenn dem so wäre, dann wäre Politik tatsächlich Kunst, wenn also eine 30cm hohe Aussichtsplattform für 70.000€ auf einem Hügel errichtet wird und dies dann als Beitrag verpackt auf Extra 3 läuft, handelt es sich so gesehen um eine Satire der Satire. Etwas weit ausgeholt, okay. Möglicherweise ist Kunst an sich auch eine Satire gegenüber dem was der Großteil der Europäer lebt, Kaufkraft akkumulieren, Kaufkraft ausgeben, Essen, Schlafen, Fortpflanzen. Der Gegensatz zum Spielen, Entdecken, Lernen und sich weiter entwickeln. Für den Konsum stehen bleiben, anstelle davon neues Wissen konsumierbar zu machen.

Ab wann ist man nun eigentlich Kunst und ab wann Realperson? Künstlerische Freiheit macht es als Grundsatz möglich, dass man immer dann Kunstperson ist, wenn man es sein möchte, und dann Realperson, wenn man eben diese sein möchte. Kunst schafft also eine Grauzone, einen Tatsächlich rechtsfreien Raum. Ein Gemälde beispielsweise, kann deshalb Subjektiv oder objektiv betrachtet nicht genau als „Das eine Werk, mit dem einen Inhalt“ existieren. Interpretation und Auslegungssache sorgen dafür, dass eine einzige Arbeit, unendlich viele Arbeiten darstellen kann, denn „Kunst ist ein unendliches Potential“. Dieser Interpretationsraum machte es z.B. möglich, dass sich Künstler in der DDR, systemkritisch äußern konnten, ohne dafür Rechtlich belangt zu werden.

„Kunst kann selbst“ ist zu dem ein wichtiger Punkt welcher darauf hin weißt, dass geschaffene Kunst an sich viel wert ist, Qualität ist nicht gleich Quantität.

Letzt endlich muss ein Künstler selbst entscheiden, wie weit er gehen möchte und wie oder ob seine Kunst Politische Inhalte vermitteln soll und kann. Kunst ist eine Waffe, wenn man sie lädt, kann jedoch genauso Banales vermitteln. Gehaltvolle wie auch Gehaltloses kann Kunst darstellen. Als Künstler trägt man, nur wenn man Möchte eine große Verantwortung in seinem Schaffen, löblich ist es dieses Potential zu nutzen. Ignoranz ist unangebracht, Akzeptanz und Vielfältigkeit, gefordert. Auch als Betrachter, sollte man sich unbekanntem nicht verschließen, um mögliches erleben nicht zu versäumen.

Nutze die Kunst, Spiele…

 

Quellen:

https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article118188720/Er-will-doch-nur-die-Diktatur-der-Kunst.html

Artikel zum Meese Prozess – Welt

http://www.sueddeutsche.de/kultur/anklage-gegen-jonathan-meese-hitlergruss-ohne-daemon-1.1746386

Artikel zum Meese Prozess – Süddeutsche Zeitung

https://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Meese

Wikipedia Artikel Jonathan Meese

http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/jonathan-meese.html?next=1

online Galerie Jonathan Meese

Interview / Kunstgespräch mit dem Spiegel mit Jonathan Meese

http://ingoherrmann.net/wp-content/uploads/2012/06/meese.pdf

Manifest Diktatur der Kunst

Vice Interview mit Jonathan Meese

https://de.wikisource.org/wiki/Was_darf_die_Satire%3F_(Tucholsky)

Kurt Tucholsky – Was darf die Satire?

https://www.youtube.com/channel/UCSYrnB2kc25CEliGuYdB82A

Youtube Kanal Jonathan Meese

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marcel Richter – KMP- WS2016 – 17.03.2017

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s